Wie durch meine, seit der China-Radtour 2016 versteckte (weil unbewusst nicht ausgeheilte), lebensbedrohliche Krankheit nach zweieinhalb Jahren ganz plötzlich der Tod (laut Ärzten) wieder sehr nahe war.

Nach 4 Tagen Schmerzen an thrombosemäsig verwirrenden Stellen, kam mit der kurzen, schweren Atemnot am Sonntag Nachmittag mein deutliches Zeichen für einen Arztbesuch.
Unser Freund Terje bringt mich und Xiao ins Gesundheitszentrum in Arjeplog, wo die Krankenschwester leichtes Fieber und, laut ihren labidaren Worten, einen „leicht hohen“ CRP-Wert (Infektionswert im Blut) feststellt.
Auf meine Frage wie hoch mein leicht hoher Wert ist, meint sie 108 – und auf meine Frage wieviel normal sei, meint sie unter 5!?
Obwohl ich ihr schon bei meiner Ankunft, sowie auch später dem dazukommenden Arzt, deutlich klargemacht habe, dass, wie schon in China, mein äußerlicher Zustand sicher nicht den gefährlichen inneren Zustand widerspiegelt, ist man sich denke ich, meiner lebensbedrohlichen Lage wahrscheinlich nicht wirklich bewusst.
Zum Glück brauche ich keine Angst zu haben, da Leben und Tod beide meine Freunde sind.
Mit dem Krankentaxi geht es beim sonntäglichen Wintereinbruch zum 220 km entfernten Krankenhaus nach Piteå, am Bottnischen Meer.

Da die hohen Blutinfektionswerte sich auch hier bestätigen, ja sogar in den letzten Stunden noch auf 111 angestiegen sind und wegen meiner Beschreibung der Thrombose mit anschließender Lungenembolie 2016 in China, bekomme ich kurz vor Mitternacht vom herzlichen, jungen Nacht-Arzt eine Spritze zur Blutverdünnung – er meint, dass es für eine Lungen-CT jetzt schon zu spät sei aber ich könne ja morgen früh wiederkommen.
Nachdem ich meinen langen Anfahrtsweg klargemacht habe, bekomme ich ein Bett in der Akut-Station, mit der 99%igen Aussicht des Arztes auf Heimkommen nach der CT am nächsten Tag?!
13.5.2019
Nach einer guten Nacht, da ich die Schmerzen im Bein gedanklich unstörend machen durfte, ergibt die CT am Morgen endlich ein klares Bild, das meinem tiefen Gefühl entspricht – Lebensgefahr durch eine schwere Lungenembolie!
An ein Heimdürfen ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken – was ich mir bisher, durch mein Körpergefühl, auch nicht richtig vorstellen konnte.
Es folgte ein ausführlicher Farbdoppler-Ultraschall des rechten Beines, wo einige Verstopfungen der Blutbahnen durch evtl. auch ältere Blutgerinsel festgestellt werden.
Man geht davon aus, dass die Thrombose und Lungenembolie von 2016, während meiner China-Radtour, nicht richtig ausbehandelt wurden.
Damit hätte ich nie gerechnet – dass die Krankheit noch in meinem Körper lauert.
Zum einen gab es ja für mich nach meiner damaligen Blitzgesundung keinerlei Anzeichen mehr (bis am Mittwoch – die ich aber bis Sonntag leider nicht als Thrombose deuten konnte)
und zum anderen war ich ja auch genug mit/in unserem Albtraum beschäftig um mich nach der Rückkehr nach Schweden nochmals mit der augenscheinlich geheilten Krankheit zu beschäftigen

Die blutverdünnende Spritze von Mitternacht soll eigentlich 24 Stunden halten, aber um die Mittagszeit scheint die Wirkung bereits weg, denn ich bekomme jetzt stärkere Schmerzen im rechten Bein und fühle mich wieder kränker – aber die folgenden Tabletten zur Blutverdünnung soll ich geplant erst um 20 Uhr bekommen. Das würde ich natürlich gerne mit einem Arzt besprechen.
In den nächsten 5 Stunden bitte ich deshalb 2 Mal Krankenschwestern, mit einer ausführlichen Erklärung, um ein dringendes Gespräch mit einem Arzt – leider ohne Erfolg, außer der wiederholten Frage, ob ich Schmerzmittel haben wolle, was ich grundsätlich mit der Erklärung ablehne, dass ich das Vorgehen in meinem Körper immer ungefälscht und deutlich spüren kann.
Mein lebensbedrohlicher Zustand und mein Gefühl für meinen Körper, scheint wegen meiner guten Werte und wegen meiner Freude auch hier unterschätzt zu werden.
Als ich um 20 Uhr die Tabletten zur Blutverdünnung bekomme, verschlechtert sich mein gefühlter Zustand nochmals und dann kommt auch noch Fieber-Gefühl mit schwitzen und frieren dazu.
Da unverständlicherweise seit Mittag auf mein Bitten kein ein Arzt kam und sogar die routinemäßigen Kontrollen meiner Werte ausgeblieben sind, gehe ich um 21.30 Uhr zum Aufenthaltsraum der Nachtschwestern und fordere aufgebracht und an ihre Verantwortung appelierend sofort einen Arzt.
Man blickt mich nur wie einen Idioten an.
Nachdem bis 23 Uhr weder eine Krankenschwester noch ein Arzt an meinem Bett aufgetaucht ist, gebe ich meine Einstellung und Gedanken auf und mache dafür gedanklich die Schmerzen und das Unwohlsein für den wichtigen Schlaf unstörend, was anscheinend zum baldigen Schlaf geführt hat denn
um 01.30 Uhr werde ich wach, weil Anders, mein Bettnachbar wieder mal die Nachtschwester alarmiert hat – als er sich beruhigt sieht die Schwester, dass ich wach bin, verlässt aber trotzdem unser Zimmer um eine halbe Stunde später wieder zu kommen und mich zu fragen ob ich nicht schlafen kann.
Jetzt platzt mir der Kragen und ich fordere laut sofort einen Arzt. Sie wird zornig und ruft beim Weggehen, dass sie auf meine Verantwortung nun einen Arzt aus dem Schlaf reiße.
Ein paar Minuten später ist sie mit dem Messwerte-Wagen wieder da und beginnt meine Werte zu checken. Ja, sage ich, zuerst müsst ihr mal euren Job richtig machen und dann könnt ihr immernoch einem Patienten in lebensbedrohlicher Krankheit Angst machen.
Sie meint ich hätte keine Ahnung wie viel sie zu tun hätten – jetzt verstehe ich, dass sie hier keinerlei Verständnis und Mitgefühl für mich haben, da meine Werte so gut sind, und ich keine Schmerzmittel brauche – dabei klingele ich bewusst nie nach einer Schwester, weil ich weiß und schätze wie viel sie zu tun haben.
Da sie jetzt für die heutigen Versäumnisse ihrer Abteilung mich verantwortlich macht, schone ich sie nicht mehr und knalle ihr alle Fakten und Versäumnisse um die Ohren, die hier an mir trotz meiner Hinweise und netten Zusammenarbeit bereits begangen wurden.
Jetzt bietet sie mir an mit dem Nachtarzt zu reden.
Kurz darauf treffe ich im Patienten-Aufenthaltsraum den herzlichen Nachtarzt der mir letzte Nacht zu 99% das Heimgehen versprochen hatte und dieser erklärt mir mitfühlend, dass die Krankenschwester weinend zu ihm kam und alle hier heute überfordert waren und ich mache ihm klar, dass durch dieses arrogante und ignorante Macho-Gehabe, anstelle von Gefühl für und Wissen über ihre Patienten, der Zeit- und Selbstbewusstsein-Mangel und damit die Probleme seiner Schwestern sicher nicht kleiner werden.
Er stimmt mir zu und und ich sage ihm, dass ich mich bei der Nachtschwester entschuldige, damit sie nicht, wie ein kleines Kind, weiter gleichzeitig zornig, gekränkt und beschämt sein müsse und er aus dem Schneider sei.
Er erklärt mir, dass ich mir trotz meines größeren Unwohlseins keine Sorgen zu machen brauche und morgen mit dem Stationsarzt alles besprechen könne – zwingernd sage ich ihm, wie schon in der Vornacht, noch einmal, dass ich mit meinem Tod sicher besser umgehen könne als sie.
Wir verabschieden uns wie in der vorigen Nacht umarmend und als ich später noch die Schwester herzlich errreichen darf, kann ich noch 2 Stunden schlafen bis der gute Anders nebenan wieder quängelt

Sie scheint mich und meine Krankheit wirklich zu verstehen und meint es wäre ein Wunder, dass ich diese schwere Lungenembolie überlebt hätte – ob sie wirklich versteht was meine unglaublich guten Werte mit meiner inneren Eistellung und meinen Gedanken so wie meinem Vertrauen in Leben und Tod zu tun haben, weiß ich nicht, aber wir haben einen herzlichen Respekt füreinander – und das ist eine gute Basis.
Sie veranlasst sofort ein Herz-Ultaschall um zu sehen, wie stark das Herz durch die schwere Embolie geschädigt wurde – aber auch hier ist, zur allgemeinen Verwunderung, alles bestens.
Sie meint wir würden jetzt nochmals 2 Wochen auf Spritzen umstellen und sie würde noch eine Krebsuntersuchung des Magens vorschlagen, um dies als mögliche Ursache der Thrombose auszuschließen.
Leider wäre aber erst in 2 Tagen, am Donnerstagabend, ein Termin zur Herz-CT frei – aber ich bleibe gerne noch hier, um mich unter Kontrolle austesten zu können, da sie meint, dass ich ruhig bis zur Schmerzgrenze auf den Beinen sein dürfe.
So gehe ich immer wieder eine zeitlang unter Beinschmerzen auf den Gängen umher und erhole mich dann wieder im Bett oder sogar in der kräftigen Frühlingssonne auf dem Stations-Balkon, der extra für mich geöffnet wird.

Die Stationsschwestern haben meine Heimreise organisiert, bei der es mit dem Bus die 130 km bis Arvidsjaur gehen soll wo dann bereits ein Taxi bis Mellanström auf mich warten würde.
Als ich die verschriebenen Blutverdünnungsspritzen in der Krankenhausapotheke geholt habe (leider haben sie nur 12 der 24 da und diese kosten mich 65 Euro – und reichen nur für 6 Tage!?) sehe ich, dass der wartende Bus sogar bis Arjeplog fährt und verstehe deshalb nicht warum das Taxi nicht in Arjeplog wartet. Aber da ich keine Kontaktdaten, weder von meiner Krankenstation noch vom Taxi habe, lasse ich gedanklich einfach los, muss aber nochmals ins Krankenhaus spurten, da ich nicht auf der Busliste stehe – wieder ein Versäumnis. Um 14.10 Uhr startet die Heimreise planmäsig und aus dem Bus sehe ich sogar noch einmal zu meinem Zimmer und Stationsbalkon.

Am Busbahnhof steigt dann sogar noch die ehemalige Mellanströmerin Eva mit ihrem Lebensgefährten zu, bevor es ein Stück am Piteälven-Fluss entlang Richtung Arvidsjaur geht.
Um 16 Uhr in Arvidsjaur am Busbahnhof ausgestiegen ist mein Taxi nicht da!?
Nach einer halben Stunde warten mache ich mich mit meinem Gepäck trampend zu Fuß in Richtung Stadtende und nach eineinhalb Kilometern werde ich gut 50 km bis Slagnäs mitgenommen.
Nachdem ich da auch wieder mit zusammengebíssenen Zähnen 1 km bis zum Ortsende gehe, werde ich 10 Minuten später bis 1 km vor Mellanström mitgenommen.
Erschöpft (nach fast 4 km mit Gepäck heute – zum Glück habe ich im Krankenhaus schon bis zur Schmerzgrenze umhergehen dürfen) komme ich um 18 Uhr zuhause an, wo die tapfere Xiao bereits seit einer Stunde wartet.
Nachdem ich den Brief der entgültigen Ablehnung von Xiaos Asylgesuch gelesen habe der heute gekommen ist, können wir sogar im Wintergarten zu abend essen.
Das Problem mit Xiaos anscheinend unmittelbar bevorstehender Abschiebung, zurück in den Albtraum, muss bis Montag warten – auch wenn die schwedische Gerichtbarkeit natürlich nicht vertrauenswürdiger arbeitet als z.B. das Gesundheitssystem, die Asylbehörde oder …, weil natürlich auch da, trots der eklatanten Fehler, aus Angst eine ungeheuerliche Arroganz/Dummdreistigkeit herrscht, um die schwedische Unfähigkeit Fehler zu begehen (und damit daraus zu lernen) zu kaschieren – denn bei einem sind die lieben Schweden absolut zuverlässig und schamlos – beim Kaffeepause und Feierabend machen 😉
Leben sei Dank darf ich Vertrauen, sonst wäre mein Magen sicher schon lange nicht mehr in Ordnung.

Während Xiao am Samstag (18.5.) mit Linda auf einem Yoga-Malkurs in Arvidsjaur ist, genieße ich die 22 Grad auf der Terrasse und lasse mir alles noch mal durch den Kopf gehen:
so einfach wie in China ist der Sinn der Krankheit (noch) nicht zu erkennen – damals wurde ich schlagartig „gesund“ nachdem die Visumverlängerung genehmigt war um Xiao wieder treffen zu können – der Rest ist bekannt.
Vorteil der jetzt wieder ausgebrochenen Krankheit:
zum Einen kann sie sich nicht länger verstecken und hat damit nicht nur ihre große Gefahr verloren sondern gibt mir endlich die Chance sie bei der Heilung zu unterstützen
und zum Anderen wurde mein ganzer Körper mal ordentlich durchgecheckt wobei sich rausstellte dass:
– das Herz sehr stark ist und erstaunlicherweise nicht einmal durch die schwere Lungenembolie angegriffen wurde!
– die Lunge sehr stark ist und trotz der schweren Embolie noch eine Sauerstoffsättigung zwischen 93% und bei der Entlassung sogar schon wieder 99% hatte.
Auch durfte ich wieder viel über (meinen) Körper und Geist dazulernen und sogar zum ersten Mal ganz bewusst Schmerz gedanklich umwandeln, damit er mich für den wichtigen Schlaf nicht zu stören brauchte (was 9 Jahre zuvor nach meinem wundernvollen Motorradunfall unbewusst/intuitiv geschah)
Nachteil:
– muss jetzt, nach dem zweiten Mal, eigentlich lebenslang blutverdünnende Medizin zu mir nehmen – auf die unerlässlichen 6 Monate gehe ich auf jeden Fall ein – aber dann darf es für mich, der sonst nie Medizin braucht, auch genug sein – falls ich nicht vom Leben klare Zeichen zum Weitermachen bekomme.
– muss laut der Ärztin evtl. noch ein paar Wochen die Schmerzen der Blutpfropfen im rechten Bein und der linken Seite unterhalb des Brustkorbes aushalten – da ich bekanntlichermaßen grundsätzlich keine schmerzstillende Medizin nehme, um die Vorgänge im Körper immer zu spüren – aber auch hier scheint alles sehr schnell zu gehen denn schon heute, nach einer Woche, treten fast keine Schmerzen mehr auf.
Epilog 😉
Die Ärztin meinte es wäre ein Wunder, dass ich diese schwere Embolie überlebt habe – das freut mich für sie, da sie damit (zumindest unbewusst) an Wunder glauben können – ich darf Wunder(n) leben und im Gegensatz zu Ihnen liebe/schätze ich das Leben nicht mehr als den Tod 😊

Wir haben sehr viel Spaß beim crashen des letzten Eises
und die Super-Energie des noch recht kühlen Wassers hat meinen Körper nach der schweren Thrombose und Lungenembolie wieder komplett aufgeladen – ganz zu Xiaos Freude über den kümmerlichen kleinen Frange 😜
Im Herbst 2019 lässt mir das Leben statt der lebenslang täglichen, teuren und chemischen Blutverdünner-Spritzen Nattokinase-Kapseln zufallen – mit denen ich sehr zufrieden bin, weil ich seither selbst nach langem Sitzen keine dicken Waden mehr bekomme und sogar deren langjährige Krampfadern zurück gingen. Und nun, nach fünf Jahren viel mir dieser Beitrag zu:

Hier zu meinen Nattokinase-Kapseln





















Nach einer guten Nacht, ausgiebigem Gsälz(Marmelade)brot-Frühstück und sehr herzlicher Verabschiedung, holt uns früh morgens unser Freund Dieter mit frischen Butterbrezeln zum Flughafentransfer ab – was er sich auf keinen Fall nehmen lassen wollte.
Im Shuttlebus übers Rollfeld und die Rolltreppe hinauf – dann ist es so weit…
Es wird endlich wirklich und wahr – nach einem nicht enden wollenden Albtraum sind wir gemeinsam unterwegs in meine langjährige Wahlheimat Schwedisch-Lappland.
Nach 4 Stunden Flug (mit kurzer Zwischenlandung in Frankfurt-Hahn) landen wir in Arvidsjaur über den Testbahnen der Automobilindustrie auf dem Eis.
Mein Freund Thomas aus Arvidsjaur holt uns vom Flughafen ab und bringt uns zum Essen mit seiner Frau in deren Haus.
Nachdem Xiao am nächsten Tag auf dem Eis mit Schnee unsere Liebe sichtbar macht, kommen einen Tag später die TolleTrolle Monia und Björne aus Deutschland für 8 Tage auf Besuch – auch zwischen Xiao und ihnen herrscht sofort Herz-Verbindung
Anfang Februar beantragt Xiao in Peking das 3-Monats-Visum für Schweden.
Danach zieht sie, da Xins Freund zurückkommt, von deren Appartement in ein Hostel in Peking, um dort auf den (hoffentlich positiven) Visumbescheid zu warten.
Am 15. Februar macht Xiao mit ihrer ehemaligen Highschool-Freundin Dan (die sie im Hostel besucht und eine Nacht bei ihr übernachtet hat) einen Ausflug zur Verbotenen Stadt.
Am Abend des 20. verlässt Xiao das Hostel und fährt mit der Metro zum Pekinger Flughafen wo sie noch vor Mitternacht ankommt.
Nach 8,5 Std. landet Xiao (mit 5 Std. Zeitverschiebung) um 05.40 Uhr in Moskau und um 09.30 Uhr geht es weiter nach Stuttgart wo sie nach 3,5 Std. (mit weiteren 2 Std. Zeitverschiebung)um 10.55 Uhr landet.
Sauerbraten und Spätzle mit und von unseren glücklichen Eltern – mein gewünschtes Mittagessen für diesen Festtag.
Nach Mittagsschlaf in meiner Wohnung unterm Dach, geht`s zu den Freunden vom Lindenhof und im Nachbarort Deufríngen.
Nach 11 Stunden landet der KLM-flieger planmäßig in Amsterdam – durch die Zeitverschiebung ist es hier natürlich erst kurz nach halb Neun Morgens.
In Amsterdam habe ich 8 Stunden Aufenthalt und dann geht es bei Sonnenuntergang in einer knappen Flugstunde wieder ein klein wenig ostwärts bis Stuttgart.
Mein Papa holt mich am Flughafen ab und damit er keinen Parkplatz nehmen muss warte ich vor dem Flughafengebäude – leider herrscht Stau auf der Autobahn, so dass ich in der Winternacht mit meinen dünnen, kurzen Sri Lanka Klamotten fast erfriere bis er endlich kommt.
Inzwischen sind Xiao und Xin alleine im kleinen Appartement da ihr Freund seine Eltern besucht – so war es ursprünglich geplant, aber durch Xiaos ungeplante, frühzeitige Abreise von Victoria, ermöglichte das Leben ihr noch ein paar Tage zu dritt viel über Probleme und Abgründe in (vermeintlicher) Liebe zu erleben.
Ende Januar „feiert“ Xiao mit Xin in Peking das chinesische Neujahrsfest – das erste Mal in ihrem Leben ohne ihre Familie!
Ich bitte ihn niemandem von dem Geschenk zu sagen und bekomme Erlaubnis in den Ort zu gehen um Geld abzuheben und fahre dann via TukTuk-Taxi eine Ortschaft weiter um es in Dollar umzutauschen.
Nach dem Packen und ein letztes Mal den „Genuss“ von Reis in Zeitung, gibt es noch die herzliche Verabschiedung von meinen Lagerfreunden.
Als mein Bewacher/Fahrer (der mich zur Abschiebung an den 45 km entfernten Flughafen bringen soll) mit einer halben Stunde Verspätung um 22 Uhr eintrifft, dauert es ganze 15 Minuten bis man das Vorhängeschloss des Gitters um unsere Baracke endlich aufbekommt und dann stellt sich noch heraus, dass er nicht wie abgemacht mit einem Kombi gekommen ist. Er scheint genervt und hochnäsig und hilft mir natürlich auch nicht beim Schleppen meines Gepäcks zum Pickup – aber ich bekomme wenigstens mit einiger Mühe alles verstaut. Bevor ich einsteige, fragt er mich welchen Weg er nehmen solle – Bundesstraße oder Autobahn? „Sie sind hier zuhause, Sir, nicht ich“ ist meine verwirrte Antwort – „ja, meint er, aber ohne Autobahn könnte es knapp werden – und die Autobahn kostet extra!“ Er will tatsächlich Geld von mir!?! „Erstens habe ich meine gesamten Restrupies an die Mitinsassen verteilt – und zweitens ist es nicht meine Sache rechtzeitig zu starten – ich bin schon viele Stunden startklar!“ Er nimmt die Bundesstraße und versucht mir unterwegs permanent Angst zu machen, dass am Flughafen sicher eine lange Schlange wäre und ich dann eben meinen Flug verpassen würde! Dann fragt er mich warum ich im Gefängnis gewesen wäre und ich meine es wäre zu komplex ihm dies zu erklären – er lässt nicht locker und als ich es ihm erzähle, unterbricht er mich laufend mit dem Einwand das sei doch alles total gelogen!?! „Sir, lassen sie mich doch bitte einfach in Ruhe – ich bin genug provoziert worden“ ist mein müder Kommentar. Wenn ich frech werden würde, könne er mich sofort ins Lager zurückfahren! „Sie können mir keine Angst machen – inzwischen nicht mehr Sir!“„ Als er dann nach Xiaos Alter fragt und meint ich hätte wohl überhaupt keinen Skrupel, reicht es mir. Ich verliere jeglichen Respekt vor ihm und lass ihn das jetzt auch deutlich hören. „Nur weil in ihrem Land Wahrheit und Rechte mit Füßen getreten werden und die Geldgier so groß ist, dass es zu einem Pädophilen-Paradies geworden ist, sollten sie nicht davon ausgehen, dass alle Menschen so sind!“ Jetzt habe ich meine Ruhe!
Als mein Reisepass nach Mitternacht endlich fertig ist, bringt mich „mein Abschiebe-Fahrer“ Richtung Gate. Unterwegs verrät er mir, dass auch er in der Führung der Einwanderbehörde gearbeitet hätte, aber von dieser furchtbaren Lügen-Korruption dort oben regelrecht krank geworden sei und deshalb jetzt nur noch Fahrdienst mache. Das Virus scheint aber leider noch in ihm, aber hoffentlich sagt er ja diesmal die Wahrheit, wäre schön weil er jetzt sogar noch meint, dass ich in Ordnung wäre! Wir umarmen uns zum Abschied und als ich am Gate stehe gibt mir meinen Pass mit dem „REMOVED“ Stempel.
In der Schnellgericht- „Abstellkammer“ müssen wir (PaulFrank) bestätigen, dass wir die komplette „Rechtsprechung“ unseres Falles anerkennen, da er nur so abgeschlossen werden kann! Danach frage ich den Richter, ob ich noch etwas persönliches vorbringen dürfe (zum Schrecken des Anwalts) und als dieser bejaht: „Sir, ich möchte sie fragen ob ihnen bewusst ist, dass dieser Polizist (2 Meter neben mir –
Zurück im Lager heißt es für mich jetzt hoffen, dass meine Abschiebepapiere (wie vom Richter versprochen) spätestens am nächsten Tag bei der Migrationsbehörde sind.
Immer wieder gehe ich ins Büro des neuen Lager-Officers und bitte ihn doch nochmals wegen meinen Abschiebepapieren nachzufragen. Als dann der Rechtsanwalt kommt und sein „Honorar“ möchte, sage ich ihm, dass sein Auftrag für mich natürlich nicht abgeschlossen ist, solange meine Papiere nicht kommen und frage ihn auch warum der Herzstein und die Wildrose, die ich ihm am 28.11. in der Gerichtszelle für Xiao gegeben hatte, nicht bei ihr angekommen sind. Da wird er wütend und schreit beim Weggehen ausfällig beschimpfend, dass ich das blöde Geld behalten solle.
…am nächsten Tag sind dann wider erwarten plötzlich meine Papiere komplett und fertig, so dass ich meinen Flug buchen kann – für den 24.01. um 2 Uhr morgens von Colombo via Amsterdam nach Stuttgart.
Während er sich am Silvester-Nachmittag herzlich-freudig an meinem Bett von mir verabschiedet, da er (im Prinzip durch mich) eine neue Stelle am Flughafen bekommen hat, wundert er sich warum ich immer noch da sei?!
Erst ein paar Tage später als der Polizeichef von seinem Urlaub zurück ist bestätigt sich die Aussage des ehemaligen Lagerofficers. Trotz der Hilfe des neuen, herzlichen Lager-Officers (der sogar zittert als wir gemeinsam vor dem Polizei-Officers stehen um wegen meiner möglichen Abschiebung zu fragen – so groß ist immernoch die Angst vor dem ehemaligen Polizeistaat) schafft man es irgendwie (sei es durch Schlamperei oder absichtliche Zeitgewinnung), meinen Abschluss-Gerichtstermin nochmals gut 2 Wochen hinauszuzögern.
Plötzlich wird unsere Bewachung vervielfacht und sogar vom höheren Gebäude auf der anderen Straßenseite hinter unserer Baracke werden wir überwacht – denn – wie es sich für einen richtigen Albtraum gehört, bekommen wir für ein paar Nächte sogar noch einen eiskalten, chinesischen Profikiller als Bettnachbar!? Unterdessen lässt Xiao in Tianjin eine Geburtsurkunde anfertigen für eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden.
Da Zara Mitte Januar in den Semesterferien zu ihren Eltern geht, nimmt Xiao die Einladung ihrer Uni-Freundin Victoria an und zieht nun vom Studentenzimmer mit Zara von Tianjin mit dem Zug 4 Std. und 700 km südlicher zu Victoria in die Wohnung ihrer Eltern in Qingdao – wobei der Vater momentan auf Geschäftsreise ist.
Die Russin in der Frauen-Baracke (ist schon länger mit ihrem Baby und ihrer Mutter im Lager) der sich Xiao anvertraut hatte gibt mir meine Tasche mit den Wertsachen und dem Smartphone. Xiao wartet wie wahnsinnig via Whatsapp schon 2 Tage auf meine Rückkehr und ist überglücklich.
Obwohl mein ehemaliges Bett jetzt ein junger Pakistani hat, macht dieser sofort für mich Platz und schläft fortan auf dem Tisch daneben. Mahmoud der Iraker im Bett neben mir nimmt es mir übel, dass ich die Russin nicht angezeigt habe – aber auch er ist korrupt und unfair den anderen gegenüber – ich sende ihm viel Liebe – mal sehen warum mir das Leben sofort wieder den Platz so dicht an seiner Seite zukommen lässt.
In Tianjin ist es Winter und Xiao hat mit Schuldgefühlen, ihrer Familie gegenüber, bis zur selbstzerstörenden Schmerzgrenze zu kämpfen.
Am deutlichsten wird dieser durch den Sri Lankesen symbolisiert der apathisch seine Runden dreht und sich anscheinend als Amerikaner ausgebend schon ein halbes Leben hier verbringen „darf“ – psychiatrische Behandlung auf srilankesisch.
Vor Weihnachten hat Eve keinen Platz mehr für Xiao weil die Mutter zu Besuch kommt und deshalb zieht sie zuerst ins 1 Std. entfernte Wohnheim ihrer Hochschul-Freundin Zia und ein paar Tage später zu unserer Freundin Zara in das Studentenwohnheim ihrer ehemaligen Nankai-Univerität.
Im Lager wird in unserem Nebenbau weihnachtlich gekocht – immer unter Kontrolle und Anweisung von Mahmoud wie es scheint. Die Leute kaufen ihm sein Schauspiel der Stärke/Autorität zur Kompensierung seiner Not ab, deshalb darf er es sich erlauben den korrupten Officer zu schmieren um öfters spät Abends unbehelligt über den Zaun hinterm Gebäude steigen zu können um ins Spielcasino und zu seiner Freundin gehen zu können die er dann am nächsten Tag am Telefon, zur Freude der Lagerkumpels, wie ein Sklaven-Flittchen behandelt.
Während Xiaos Infektionen allmählich heilen, bekommen wir im Lager an Heilig Abend eine für mich schockierende Bescherung: Als ich am frühen Morgen durch lautes Motorengeräusch aufwache, springe ich erschrocken auf um Feuer zu alarmieren da alles in unserer Baracke total vernebelt ist.
Mahmoud und seine Freunde denken (religionsbedingt) natürlich nicht an Weihnacht und bei mir will verständlicherweise keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen – eingesperrt bei 40 Grad und gut das doppelte in Prozent an Luftfeuchtigkeit!
Zwischen den Festtagen bittet mich Mahmoud um Geld für ihre Kocherei zur Essensaufwertung und meine Ration wird ab dann auch etwas bereichert.
Am 5. Dezember geht`s im Gefängnisbus wieder zum Gangodawila-Gericht, wo uns (PaulFrank!?!) der Richter mitteilt, er würde uns nicht mehr zurück ins Gefängnis schicken und dass wir deshalb wieder ins Internierungslager gebracht werden würden – von seiner Idee mit unserer Visum-Verlängerung während der 12 weiteren Gefängnis-Tage, scheint er nichts mehr zu wissen – aber das bestätigt ja nur mein Gefühl das ich eh gleich hatte!
Doch anstatt ins Lager kommen wir wieder ins Gefängnis. Das sei normal ist Pauls (erfahrener Sri Lanka Knasti) coole Antwort auf der Rückfahrt im prallvollen, vergitterten Gefängnisbus – der auch noch den Geist aufgibt.
Während Xiao ihre Wunden bei Qing in Baoting pflegt warte ich am nächsten Tag ab 6 Uhr morgens vorm Officer-Büro auf meine Entlassung.
Vom Gefängnis werden wir (PaulFrank) in einem normalen PKW zur Migrationsbehörde ins 6 km entfernte Battaramulla gefahren.