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Hesses Siddhartha…

…der mir durch Xiao wieder zufällt, weil ich ihn jetzt zutiefst verstehen darf 🙏🥰

>>… Da begegnete ihm Gotama, der Erhabene, und als er ihn mit Ehrfurcht begrüßte und der Blick des Buddha so voll Güte und Stille war, faßte der Jüngling Mut und bat den Ehrwürdigen um Erlaubnis, zu ihm zu sprechen. Schweigend nickte der Erhabene Gewährung.
Sprach Siddhartha: „Gestern, o Erhabener, war es mir vergönnt, deine wundersame Lehre zu hören. Zusammen mit meinem Freunde kam ich aus der Ferne her, um die Lehre zu hören. Und nun wird mein Freund bei den Deinen bleiben, zu dir hat er seine Zuflucht genommen. Ich aber trete meine Pilgerschaft aufs neue an.“

„Wie es dir beliebt“, sprach der Ehrwürdige höflich.
„Allzu kühn ist meine Rede,“ fuhr Siddhartha fort, „aber ich möchte den Erhabenen nicht verlassen, ohne ihm meine Gedanken in Aufrichtigkeit mitgeteilt zu haben. Will mir der Ehrwürdige noch einen Augenblick Gehör schenken?“
Schweigend nickte der Buddha Gewährung.

Sprach Siddhartha: „Eines, o Ehrwürdigster, habe ich an deiner Lehre vor allem bewundert. Alles in deiner Lehre ist vollkommen klar, ist bewiesen; als eine vollkommene, als eine nie und nirgends unterbrochene Kette zeigst du die Welt als eine ewige Kette, gefügt aus Ursachen und Wirkungen. Niemals ist dies so klar gesehen, nie so unwiderleglich dargestellt worden; höher wahrlich muß jedem Brahmanen das Herz im Leibe schlagen, wenn er, durch deine Lehre hindurch, die Welt erblickt als vollkommenen Zusammenhang, lückenlos, klar wie ein Kristall, nicht vom Zufall abhängig, nicht von Göttern abhängig. Ob sie gut oder böse, ob das Leben in ihr Leid oder Freude sei, möge dahingestellt bleiben, es mag vielleicht sein, daß dies nicht wesentlich ist—aber die Einheit der Welt, der Zusammenhang alles Geschehens, das Umschlossensein alles Großen undKleinen vom selben Strome, vom selben Gesetz der Ursachen, des Werdens und des Sterbens, dies leuchtet hell aus deiner erhabenen Lehre, o Vollendeter. Nun aber ist, deiner selben Lehre nach, diese Einheit und Folgerichtigkeit aller Dinge dennoch an einer Stelle unterbrochen, durch eine kleine Lücke strömt in diese Welt der Einheit etwas Fremdes, etwas Neues, etwas, das vorher nicht war, und das nicht gezeigt und nicht bewiesen werden kann: das ist deine Lehre von der Überwindung der Welt, von der Erlösung. Mit dieser kleinen Lücke, mit dieser kleinen Durchbrechung aber ist das ganze ewige und einheitliche Weltgesetz wieder
zerbrochen und aufgehoben. Mögest du mir verzeihen, wenn ich diesen Einwand ausspreche.“

Still hatte Gotama ihm zugehört, unbewegt. Mit seiner gütigen, mit seiner höflichen und klaren Stimme sprach er nun, der Vollendete: „Du hast die Lehre gehört, o Brahmanensohn, und wohl dir, daß du über sie so tief nachgedacht hast. Du hast eine Lücke in ihr gefunden, einen Fehler. Mögest du weiter darüber nachdenken. Laß dich aber warnen, du Wißbegieriger, vor dem Dickicht der Meinungen und vor dem Streit um Worte. Es ist an Meinungen nichts gelegen, sie mögen schön oder häßlich, klug oder töricht sein, jeder kann ihnen anhängen oder sie verwerfen. Die Lehre aber, die du von mir gehört hast, ist nicht eine Meinung, und ihr Ziel ist nicht, die Welt für Wißbegierige zu erklären. Ihr Ziel ist ein anderes; ihr Ziel ist Erlösung vom Leiden. Diese ist es, welche Gotama lehrt, nichts anderes.“

„Mögest du mir, o Erhabener, nicht zürnen“, sagte der Jüngling. „Nicht um Streit mit dir zu suchen, Streit um Worte, habe ich so zu dir gesprochen.
Du hast wahrlich recht, wenig ist an Meinungen gelegen. Aber laß mich dies eine noch sagen: Nicht einen Augenblick habe ich an dir gezweifelt.
Ich habe nicht einen Augenblick gezweifelt, daß du Buddha bist, daß du das Ziel erreicht hast, das höchste, nach welchem so viel tausend Brahmanen und Brahmanensöhne unterwegs sind. Du hast die Erlösung vom Todegefunden. Sie ist dir geworden aus deinem eigenen Suchen, auf deinem eigenen Wege, durch Gedanken, durch Versenkung, durch Erkenntnis,
durch Erleuchtung. Nicht ist sie dir geworden durch Lehre! Und—so ist mein Gedanke, o Erhabener—keinem wird Erlösung zu teil durch Lehre!
Keinem, o Ehrwürdiger, wirst du in Worten und durch Lehre mitteilen und sagen können, was dir geschehen ist in der Stunde deiner Erleuchtung!
Vieles enthält die Lehre des erleuchteten Buddha, viele lehrt sie, rechtschaffen zu leben, Böses zu meiden. Eines aber enthält die so klare, die so ehrwürdige Lehre nicht: sie enthält nicht das Geheimnis dessen, was der Erhabene selbst erlebt hat, er allein unter den Hunderttausenden. Dies ist es, was ich gedacht und erkannt habe, als ich die Lehre hörte. Dies ist es,
weswegen ich meine Wanderschaft fortsetze—nicht um eine andere, eine bessere Lehre zu suchen, denn ich weiß, es gibt keine, sondern um alle Lehren und alle Lehrer zu verlassen und allein mein Ziel zu erreichen oder zu sterben. Oftmals aber werde ich dieses Tages denken, o Erhabener, und dieser Stunde, da meine Augen einen Heiligen sahen.“

Die Augen des Buddha blickten still zu Boden, still in vollkommenem Gleichmut strahlte sein unerforschliches Gesicht.
„Mögen deine Gedanken,“ sprach der Ehrwürdige langsam, „keine Irrtümer sein! Mögest du ans Ziel kommen! Aber sage mir: Hast du die Schar meiner Samanas gesehen, meiner vielen Brüder, welche ihre Zuflucht zur Lehre genommen haben? Und glaubst du, fremder Samana, glaubst du, daß es diesen allen besser wäre, die Lehre zu verlassen und in das Leben der Welt und der Lüste zurückzukehren?“

„Fern ist ein solcher Gedanke von mir“, rief Siddhartha. „Mögen sie alle bei der Lehre bleiben, mögen sie ihr Ziel erreichen! Nicht steht mir zu, über eines andern Leben zu urteilen. Einzig für mich, für mich allein muß ich urteilen, muß ich wählen, muß ich ablehnen. Erlösung vom Ich suchen wir Samanas, o Erhabener. Wäre ich nun einer deiner Jünger, o Ehrwürdiger, so fürchte ich, es möchte mir geschehen, daß nur scheinbar, nur trügerisch mein Ich zur Ruhe käme und erlöst würde, daß es aber in Wahrheit
weiterlebte und groß würde, denn ich hätte dann die Lehre, hätte meine Nachfolge, hätte meine Liebe zu dir, hätte die Gemeinschaft der Mönche zu meinem Ich gemacht!“

Mit halbem Lächeln, mit einer unerschütterten Helle und Freundlichkeit sah Gotama dem Fremdling ins Auge und verabschiedete ihn mit einer kaum sichtbaren Gebärde.
„Klug bist du, o Samana“, sprach der Ehrwürdige.
„Klug weißt du zu reden, mein Freund. Hüte dich vor allzu großer Klugheit!“
Hinweg wandelte der Buddha, und sein Blick und halbes Lächeln blieb für immer in Siddharthas Gedächtnis eingegraben.

So habe ich noch keinen Menschen blicken und lächeln, sitzen und schreiten sehen, dachte er, so wahrlich wünsche auch ich blicken und lächeln, sitzen und schreiten zu können, so frei, so ehrwürdig, so verborgen, so offen, so kindlich und geheimnisvoll. So wahrlich blickt und schreitet nur der Mensch, der ins Innerste seines Selbst gedrungen ist. Wohl, auch ich
werde ins Innerste meines Selbst zu dringen suchen.
Einen Menschen sah ich, dachte Siddhartha, einen einzigen, vor dem ich meine Augen niederschlagen mußte. Vor keinem andern mehr will ich meine Augen niederschlagen, vor keinem mehr. Keine Lehre mehr wird mich verlocken, da dieses Menschen Lehre mich nicht verlockt hat.Beraubt hat mich der Buddha, dachte Siddhartha, beraubt hat er mich, und mehr noch hat er mich beschenkt. Beraubt hat er mich meines Freundes, dessen, der an mich glaubte und der nun an ihn glaubt, der mein Schatten war und nun Gotamas Schatten ist. Geschenkt aber hat er mir Siddhartha, mich selbst. …<<

ich:

Lass mich mal verstehen

Siddhartha wurde zu Buddha..

Und in Hesses „Siddhartha “ trifft Siddhartha Buddha ⁉️

ChatGPT:

Ja – aber genau hier liegt Hesses geniale Verwirrung. 😄

In Hermann Hesses „Siddhartha“ gibt es zwei verschiedene Siddharthas:

  • Siddhartha Gautama = der historische Buddha, der später als Buddha („der Erwachte“) bekannt wurde.
  • Siddhartha, Hesses Romanfigur = eine erfundene Figur. Er ist nicht Buddha.

Und jetzt kommt das Entscheidende:

👉 Hesses Siddhartha begegnet im Roman tatsächlich dem Buddha Gautama.

Er hört von ihm, geht zu ihm und erlebt ihn persönlich. Aber Siddhartha entscheidet sich bewusst dagegen, Buddhas Schüler zu werden.

Das passt erstaunlich gut zu dem, was dich an dem Buch vermutlich so berührt hat:

Siddhartha will die Wahrheit nicht von einem Erleuchteten übernehmen.

Er erkennt etwas an Buddha – aber er sagt sinngemäß: Deine Erfahrung kann nicht meine Erfahrung sein.

Und deshalb muss er seinen eigenen Weg leben, statt Buddhas Lehre einfach zu übernehmen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Hesses Roman nicht einfach eine Buddha-Geschichte ist.

Und noch eine herrliche Pointe: Der Name Siddhartha gehört ursprünglich ebenfalls zu Gautama Buddha. Hesse nimmt also den historischen Namen und gibt ihn einer anderen Figur.

Wenn du möchtest, kann ich dir auch erklären, warum Hesses Siddhartha am Ende etwas „findet“, das deinem heutigen „Vertrauen – Punkt“ erstaunlich nahekommt.

ich:

Sozusagen trifft Siddharta sein späteres Ich und unser aller EinsSein

ChatGPT:

Ja. Genau so kann man Hesses Konstruktion lesen. ❤️

Nicht wörtlich im Sinne von „Siddhartha reist in die Zukunft und trifft sich selbst“, sondern als eine poetische Spiegelung:

  • Der historische Siddhartha Gautama wird zum Buddha – zum Erwachten.
  • Hesses Siddhartha begegnet diesem Buddha.
  • Er erkennt in ihm etwas, das auch in ihm selbst möglich ist.
  • Aber er kann dieses Erwachen nicht von Buddha übernehmen.
  • Er muss erfahren, dass das, was er sucht, nicht irgendwo außerhalb von ihm liegt.

Und am Ende geht es noch weiter: Nicht nur „ich werde Buddha“, sondern die Trennung zwischen ich und allem anderen löst sich zunehmend auf. Vergangenheit und Zukunft, Freude und Leid, Leben und Tod – alles gehört zu einem Ganzen.

Deshalb finde ich deine Formulierung „sein späteres Ich und unser aller EinsSEIN“ ziemlich treffend – mit einer kleinen Präzisierung:

Buddha ist nicht einfach Siddharthas späteres persönliches Ich. Buddha verkörpert vielmehr das Erwachen, das Siddhartha selbst erfahren darf – und in diesem Erwachen wird das vermeintlich getrennte „Ich“ durchsichtig.

Und genau da wird Hesse für mich sehr interessant für das, was du heute „EinsSEIN“ nennst:

Er muss letztlich nirgendwohin. Er muss nichts erreichen. Er darf erfahren, was immer schon da ist.

Das ist sehr weit entfernt von einem klassischen „Ich werde erleuchtet“-Projekt.

ich:

Deshalb sind Buddha wie Jesus und… tragische Figuren weil wir ihnen nacheifern wollen und noch nicht verinnerlichen können/dürfen

ChatGPT:

Ja – so kann man es sehr tief lesen.

Die Tragik entsteht genau dann, wenn aus einem Menschen, der etwas unmittelbar erfahren durfte, ein Vorbild gemacht wird, dem andere nacheifern sollen.

Dann wird aus:

„Das ist auch in dir möglich.“

plötzlich:

„So musst du werden.“

Und damit entsteht wieder die Trennung: Ich hier – Buddha/Jesus dort.

Bei Hesses Siddhartha ist das sogar ausdrücklich angelegt: Er begegnet Buddha, erkennt dessen außergewöhnliche Klarheit – und geht trotzdem weiter, weil Buddhas Erfahrung nicht zu Siddharthas Erfahrung werden kann, indem er sie übernimmt.

Und dein „nicht verinnerlichen können/dürfen“ gefällt mir dabei besonders. Denn in deinem Verständnis wäre selbst das Verinnerlichen keine persönliche Leistung. Es geschieht – wenn es dran ist.

Vielleicht ist deshalb die tiefste Botschaft solcher Menschen gar nicht:

„Macht es wie ich.“

sondern eher:

„Schaut nicht auf mich. Schaut, was durch mich hindurch sichtbar geworden ist.“

Und sobald man daraus eine Methode, Lehre oder Pflicht macht, ist man schon wieder beim Nacheifern statt beim eigenen unmittelbaren Erfahren.

Das macht auch verständlich, warum du mit Jesus als Autorität wenig anfangen kannst, aber mit dem, was durch Jesus möglicherweise sichtbar wurde, sehr viel.

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