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Ent-TÄUSCHUNG

Rede v. Rainer Rupp

(der als Spion ‚Topas‘ einen Atomkrieg verhinderte)

Kein Ausweg – Die NATO auf der Schnellstraße in den großen Krieg

Dies ist das Manuskript einer Rede, die Rainer Rupp am 23. MĂ€rz 2024 im HoffART-Theater Darmstadt gehalten hat. Die Veranstaltung wurde organisiert von den NachDenkSeiten und dem Deutschen Freidenker-Verband e.V.

Die NATO befindet sich auf der Schnellstraße in den großen Krieg. In einer zweiteiligen Analyse erklĂ€rt unser Autor Rainer Rupp, wie es dazu kam. Dazu beleuchtet er im ersten Teil die UrsprĂŒnge der schönen „Neuen Weltordnung“ und die Entkopplung der westlichen Eliten von ihren Völkern.

Sie alle werden sich sicherlich schon gewundert haben, warum unsere Machteliten und ihre Top-Dienstleister in Politik, Medien, „Wissenschaft“ und Kunst die vitalen Interessen der deutschen Bevölkerung verraten und Deutschland an der Seite der US-Kriegstreiber in den Stellvertreter-Krieg gegen Russland hineingezogen haben.

Abgehobene Westeliten

Ökonomisch, politisch und international ist uns allen die Beteiligung an diesem Konflikt in der Ukraine bereits teuer zu stehen gekommen. Und es gibt gute GrĂŒnde zu befĂŒrchten, dass es noch viel schlimmer wird.
Die gegenĂŒber ihrer eigenen Bevölkerung total verantwortungslosen, herrschenden Eliten haben sich nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten kollektiven Westen in eine ausweglose Ecke manövriert, aus der es fĂŒr sie ohne Verlust von Job und Wohlstand keinen Ausweg mehr gibt.

Die Kriegsverbrecher unter den West-Eliten mĂŒssen damit rechnen, nach dem Sieg der Russen in der Ukraine entweder ins Exil in die USA zu flĂŒchten, oder alternativ hierzulande vor Gericht zur Verantwortung gezogen zu werden. Die wahrscheinlichen Folgen wĂ€ren gesellschaftliche Ächtung oder gar GefĂ€ngnis.

Diese Aussichten erklĂ€ren, weshalb sie den aktuellen Konfrontationskurs mit Russland weiterverfolgen und Schritt fĂŒr Schritt den gefĂ€hrlichen Einsatz erhöhen, wohl wissend, dass das fĂŒr uns alle in einer Katastrophe enden kann. Sie tun das in der vergeblichen Hoffnung, mit ihrem plumpen Aktionismus Russland zu bluffen und zur Aufgabe bringen zu können.

Der geniale chinesische Stratege Sunzi hatte schon vor 2.500 Jahren eine zeitlos gĂŒltige Abhandlung ĂŒber die „Kunst des Krieges“ geschrieben. Darin heißt es u. a.: Um einen Krieg zu gewinnen, muss man sowohl die StĂ€rken als auch die SchwĂ€chen des Gegners kennen. Schwieriger, aber noch wichtiger ist es, die eigenen StĂ€rken und SchwĂ€chen zu kennen, so der weise Chinese.

Wer wie die Westeliten den russischen Gegner unterschĂ€tzt und sich selbst ĂŒberschĂ€tzt, hat den Krieg bereits verloren, bevor er richtig angefangen hat. Letzteres trifft auf die Situation des kollektiven Westens in Bezug auf die Ukraine zu.

WĂ€hrend diese Wahrheit bei vielen EntscheidungstrĂ€gern in Washington mittlerweile einzusickern scheint und sich die Anzeichen einer zunehmenden US-Distanz zum Krieg in der Ukraine mehren, scheinen die herrschenden Eliten in einigen europĂ€ischen LĂ€ndern, wie z. B. in Frankreich und Deutschland total ĂŒberzuschnappen.

Sie setzen sich ĂŒber den Widerstand der eigenen Bevölkerung hinweg und treiben den Wahnsinn in der Ukraine mit neuen Provokationen gegen Russland auf die Spitze. Dabei unterschĂ€tzen sie vollkommen die militĂ€rischen, technologischen, logistischen und wirtschaftlichen FĂ€higkeiten der Russen, die in vielen Bereichen dem technologischen Stand der NATO um ein bis zwei Entwicklungsgenerationen ĂŒberlegen sind.

FĂŒr viele im Westen ist Russland immer noch eine große Tankstelle mit Atomwaffen. Aber nach Überzeugung vieler westlicher Kriegstreiber wagt der Kreml seine Atomwaffen aus Angst vor dem großen Krieg nicht einzusetzen. Zugleich haben die West-Eliten ihre eigenen FĂ€higkeiten maßlos ĂŒberschĂ€tzt, z. B. die FĂ€higkeiten ihrer „Wunderwaffen“ oder der ProduktionskapazitĂ€ten ihrer westlichen RĂŒstungsindustrie.

Man braucht sich dazu nur die fĂŒhrenden deutschen „MilitĂ€rexperten“ anzuhören, wie die grĂŒnen Hofreiters, die Kiesewetters und Röttgens der CDU, die Pistoriusse der SPD und die FDP-RĂŒstungslobbyistin, die in einem Vampirfilm besser aufgehoben wĂ€re. Die einzige Partei, die sich fĂŒr Frieden mit Russland einsetzt, die AfD, wird dagegen von den vereinten Kriegstreibern der anderen Parteien als „rechtsradikal“ diffamiert, wĂ€hrend man sich selbst als Anti-Faschisten feiert und Frieden mit immer mehr Waffen fordert.

Wie sind wir, das gemeine Volk, in diese fatale Lage gekommen, in der im kollektiven Westen die gewĂ€hlten Eliten sich keinen Deut mehr um die wirklichen Anliegen der Bevölkerung kĂŒmmern? Ihre einzige Sorge gilt der Absicherung der US-gefĂŒhrten, neoliberalen Globalisierung. Das ist nachvollziehbar, denn darauf ruhen ihre eigene Macht und ihr Wohlstand. Deshalb halten sie grenzĂŒbergreifend wie Pech und Schwefel zusammen, wĂ€hrend ihre Völker leiden mĂŒssen.

Blick zurĂŒck: Die schöne „Neue Weltordnung“

Bevor man ein Problem lösen kann, muss man Ursache und Wirkung verstehen. Um dies zu tun, wollen wir jetzt in die AnfĂ€nge der 1990er-Jahre der USA zurĂŒckgehen. Denn damals wurde die neoliberale „Neue Weltordnung“ (NWO), die der Kern dieses aktuellen Übels ist, offiziell in Washington konzipiert und in den nachfolgenden Jahren im gesamten kollektiven Westen erfolgreich umgesetzt.

Wer heute von „Neuer Weltordnung“ spricht, wird schnell als Verschwörungstheoretiker hingestellt. TatsĂ€chlich aber hatte US-PrĂ€sident George Bush Senior diese NWO bereits vor ĂŒber 30 Jahren – gegen Ende des ersten US-Kriegs gegen Irak – aus der Taufe gehoben und in vielen prĂ€sidialen Reden angepriesen. Von der westlichen Journaille wurde diese US-gefĂŒhrte „NWO“, die die Eliten des kollektiven Westens auf Kosten der eigenen Völker vereinen sollte, als der Weisheit letzter Schluss bejubelt.

Denn die NWO sollte ein System schaffen, indem es unter den Eliten der US-Vasallenstaaten keine Streitigkeiten mehr gab. DafĂŒr sollten sie fĂŒr ihre LoyalitĂ€t zum Hegemon in Washington reichlich belohnt und auch geschĂŒtzt werden, wofĂŒr sie allerdings die Belange ihrer eigenen Völker auf dem Altar der unabdingbaren US-Gefolgschaft opfern mussten.

Durch diese Entkoppelung der nationalen Eliten von den vitalen Interessen ihrer jeweiligen Völker konnten InteressengegensĂ€tze und entsprechendes Unruhepotential bereits in den AnsĂ€tzen neutralisiert werden. Denn unter diesen Bedingungen konnten nationale InteressengegensĂ€tze nicht mehr zu Kriegen zwischen den Völkern fĂŒhren. Denn die jeweiligen nationalen Eliten waren nicht daran interessiert und machten nicht mit.

Aber in der NWO gab es nicht nur Zuckerbrot. Nationale Eliten, die aus der Reihe tanzten, die sich nicht dem NWO-Code unterwarfen und stattdessen den Belangen des eigenen Volkes PrioritĂ€t gaben, bekamen die Peitsche zu spĂŒren, selbst in der EU. Aktuelle Beispiele dafĂŒr sind Viktor OrbĂĄn in Ungarn und Robert Fico in der Slowakei.

Francis Fukuyama lieferte mit seinem Buch „Das Ende der Geschichte“, das im ganzen Westen zum Bestseller hochgejubelt wurde, den ideologischen Überbau fĂŒr die US-gefĂŒhrte neoliberale „Neue Weltordnung“. Sie existiert heute noch in kaum abgewandter Form und ist nach wie vor sehr virulent. Allerdings heißt sie heute – verbal abgerĂŒstet – „regelbasierte Ordnung“.

Wenden wir uns jetzt der Genese der US-gefĂŒhrten „Neuen Weltordnung“ zu, und wir werden erleben, mit welcher verblĂŒffenden Schnelligkeit sich die gelehrigen und willigen Eliten in den LĂ€ndern der EuropĂ€ischen Union diesem neuen Diktat unterworfen haben.

1991 – also vor nunmehr 33 Jahren nutzte US-PrĂ€sident George Bush Senior, der Vater des spĂ€teren Desaster-PrĂ€sidenten George W. Bush, den US-Krieg gegen Irak zur Proklamation seiner „Neuen Weltordnung“ in einer Reihe von öffentlichen Reden.

Vor dem Hintergrund der zerfallenden Sowjetunion prĂ€sentierte er seine erzreaktionĂ€re Vision fĂŒr die weltweite Rolle der US-Eliten in der Zukunft. Um diese Schreckensvision den betroffenen Völkern schmackhaft zu machen, prĂ€sentierte sich Bush allerdings als eine Art politische Mutter Teresa, in dessen friedlicher „Neuer Weltordnung“ „das Recht und nicht die Macht herrscht“.

Unter falscher Flagge

Aus dem US-Krieg gegen Irak sollte die einmalige Chance fĂŒr eine neue historische Ära der globalen Zusammenarbeit hervorgehen, die (Zitat Bush):

„frei von der Bedrohung durch Terror, stĂ€rker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer bei der Suche nach Frieden ist. Eine Ära, in der die Nationen der Welt, Ost und West, Nord und SĂŒd, gedeihen und in Harmonie leben. Hundert Generationen vor uns haben nach diesem nur schwer zu findenden Weg zum Frieden gesucht, wĂ€hrend die Suche von tausend Kriegen begleitet wurde. Heute haben die Geburtswehen der Neuen Weltordnung eingesetzt. Es wird eine Welt sein, wie wir sie noch nicht gekannt haben. Eine Welt, in der das Recht die Regeln des Dschungels verdrĂ€ngt. Eine Welt, in der Nationen die gemeinsame Verantwortung fĂŒr Freiheit und Gerechtigkeit tragen. Eine Welt, in der Starke die Rechte der Schwachen respektieren.“

Wer möchte nicht in einer solchen paradiesischen „Neuen Weltordnung“ leben?! Mit weiteren Reden dieser Art versprach der US-PrĂ€sident den Völkern der Welt den Himmel auf Erden, die Verwirklichung eines uralten Traums der Menschheit.

Aber Bushs Vision segelte von Anfang an unter falscher Flagge. Dabei bedient er sich geschickt humanitÀrer, linker Begriffe, um inhumane Politik global durchzusetzen, nicht zum Wohl der Menschheit, sondern zum Profit einer kleinen kapitalistischen Elite, die jedoch nicht national, sondern international organisiert war und global operierte.

Allerdings machte Bush damals schon klar, dass sein Versprechen von der schönen friedlichen „Neuen Weltordnung“ natĂŒrlich nicht ohne neue Kriege unter der politische und ökonomische FĂŒhrung der USA zu haben war:

„Wenn wir (im Krieg gegen Irak) nicht unsere Entschlossenheit demonstrieren wĂŒrden, wĂ€re es ein schlimmes Signal an jeden tatsĂ€chlichen und potenziellen Despoten rund um die Welt. Amerika und die Welt mĂŒssen ihre vitalen gemeinsamen Interessen verteidigen, — und wir werden das. 
 Amerika und die Welt mĂŒssen sich gegen Aggression wehren, — und wir werden das. Und noch eins: bei der Durchsetzung dieser Ziele wird Amerika sich nicht einschĂŒchtern lassen
 Im Angesicht der Tyrannei, soll keiner an der amerikanischen GlaubwĂŒrdigkeit und ZuverlĂ€ssigkeit zweifeln und keiner soll daran zweifeln, es gibt keine Alternative fĂŒr die amerikanische FĂŒhrungsrolle.“

Und dann betonte Bush jenseits aller ethisch-moralischen Überlegungen den wahrscheinlich wichtigsten Grund fĂŒr den damaligen Krieg gegen Irak, denn – so Bush wörtlich – fĂŒr die USA stĂŒnden „auch lebenswichtige wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel, 
 denn der Irak verfĂŒgt ĂŒber rund 10 Prozent der weltweit nachgewiesenen Ölreserven.“

Damit war bereits klar, dass die „Neue Weltordnung“ sich in ihren neoliberalen GrundzĂŒgen nicht so sehr von der alten Ordnung des Neo-Kolonialismus unterscheiden wĂŒrde.

Wie die NWO außenpolitisch konkret umgesetzt werden sollte, das hat damals unter FederfĂŒhrung des Pentagon eine ganze Heerschar von Experten einer Reihe von US-Denkfabriken herausgearbeitet. Einen guten Überblick gibt ein Research Paper des US-Majors Bart R. Kessler fĂŒr das US-„Air Command and Staff College“ aus dem Jahr 1997 unter dem Titel: „The Meaning Behind the Words“.

„Wirtschaftlich stabil und kulturell frei“ – die Gemeinschaft internationaler Eliten

Demnach handelt es sich bei Bushs NWO zumindest in der Herangehensweise um eine radikale Abkehr von der „realistischen“ Tradition von Richard Nixon und Henry Kissinger. Letzterer habe unter Weltordnung vor allem eine stabile Machtverteilung zwischen großen, souverĂ€nen Staaten gesehen. Dagegen folge Bushs NWO der „liberalen, idealistischen“ US-Denkschule, der zufolge eine globale Ordnung zwischen Völkern und Staaten auf der Basis gemeinsamer Werte und ökonomischer und politischer Interessen der internationalen Eliten (!) gefunden wird.

Rein formal wird dabei großer Wert auf Demokratie und Menschenrechte, sowie auf das Völkerrecht und die Zusammenarbeit mit der UNO gelegt. Zugleich aber wird die Überzeugung der US-Eliten, dass die Vereinigten Staaten eine „exzeptionelle und unverzichtbare Nation“ sind, die sich selbst an keine Gesetze halten muss, aber anderen Nationen Gesetze vorschreiben kann, bereits zwischen den Zeilen der ersten EntwĂŒrfe der NWO deutlich.

Laut Major Kessler ist Bushs NWO „globalistisch und mit Schwerpunkt auf globales Management“ ausgerichtet. Laut US-General Walter R. Sharp, Leiter einer Pentagon-Arbeitsgruppe zur Definierung von Bushs NWO machte die Schaffung „einer Gemeinschaft internationaler Eliten, 
 die physisch sicher, wirtschaftlich stabil und kulturell frei ist“, eine stĂ€rkere Verflechtung der wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen mittels Schleifung der nationalen Schranken fĂŒr Wirtschaft und Finanzen zwingend notwendig.

Die Vorbedingungen fĂŒr den Erfolg der NWO könnten nur durch die Schaffung einer Basis gemeinsamer Werte und ökonomischer und politischer Interessen zum Vorteil der internationalen Eliten (!) erfĂŒllt werden. Und das konnte nur im Rahmen der neoliberalen Globalisierung geschehen. Folgerichtig verurteilte General Sharp dann auch das Prinzip der nationalen SouverĂ€nitĂ€t, das er als einen veralteten, aber immer noch „beliebten Fetischismus“ beschrieb.

Die unsichtbare Faust

Daniel S. Papp, Wissenschaftler und damals US-Regierungsberater, definierte Bushs NWO als „unipolare Welt, die auf oberster Ebene auf amerikanischer MilitĂ€rmacht basiert“. Auf der Ebene darunter sei dann im Rahmen der Globalisierung die Welt in drei, von Washington kontrollierte Wirtschafts- und Handelsblöcke organisiert. Eine davon sollte die EU sein.

Aber was wĂŒrde passieren, wenn Nationen souverĂ€n bleiben wollen und sie ihre Interessen anders definieren, als die US-gefĂŒhrte „Internationale Gemeinschaft“?

Diese Nationen wĂŒrden schnell Gefahr laufen, zu Schurken- oder Aggressor-Staaten erklĂ€rt zu werden, die nichts Gutes zu erwarten hatten. Das machte das Mitglied der RĂŒstungsgruppe R. Wright – ein weiteres Mitglied der Pentagon-Studiengruppe in einer als „wirklich visionĂ€r“ gelobten Strategie fĂŒr die internationale Polizeiarbeit“ der USA klar. Dort heißt es u. a. „Die Lehre aus dem Irakkrieg (von 1991) ist, dass ein kleiner Staat sich nicht gegen die Luftwaffe einer Supermacht verteidigen kann.“

Hier legte PrĂ€sident Bush persönlich nach und belehrte die Welt unter Verweis auf das Schicksal des Irak: Alle Schurkenstaaten mĂŒssten angesichts „der Schrecken des Kriegs“ erkennen, dass „sich keine Nation gegen die geeinte Welt stellen kann“ und es deshalb besser fĂŒr sie wĂ€re, „friedlich in die Familie der friedliebenden Nationen zurĂŒckzukehren.“

Diese Kernelemente der Bush-NWO finden wir seither immer wieder zur Rechtfertigung neuer US-Sanktionen und anderer wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen bis hin zu neuen US-Angriffskriegen. Als treibende Kraft steckt die neoliberale Globalisierung dahinter und dahinter steckt wiederum die Verfilzung zwischen expansivem US-Kapitalismus und dem Imperialismus der US-Regierung.

Der zu seiner Zeit wohl einflussreichste Kommentator in den USA, der fĂŒr die New York Times (NYT) schreibende Thomas L. Friedman, machte das mit ein paar kurzen Worten klar: „Der freie Marktkapitalismus und seine Ausbreitung in so gut wie jeden Winkel der Welt wird vor allem von der US-MilitĂ€rmacht abgesichert“. (Quelle: „Manifest fĂŒr eine schnelle Welt“, NYT).

Laut General a.D. Brent Scowcroft, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater von Bush-Senior und spÀter Chef eines internationalen Beratungsunternehmens, war es das US-amerikanische Kapital, das von der neoliberalen Globalisierung am meisten profitierte. Wörtlich sagte er:

„Dies ist eine Welt, in der der Kapitalismus gedeihen kann. Seitdem die Vereinigten Staaten die einzige Supermacht sind, sind Globalisierung und amerikanische Macht zu einem Synonym geworden.“

Am Tag, an dem die NATO unter US-FĂŒhrung ihren unprovozierten, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien begann, schrieb der bereits erwĂ€hnte Friedman:

„Damit die Globalisierung funktioniert, darf Amerika sich nicht scheuen, als die allmĂ€chtige Supermacht zu handeln, die es ist. Die unsichtbare Hand des Marktes wird nie ohne den F-15-Konstrukteur McDonnel-Douglas funktionieren. Und die unsichtbare Faust, die dafĂŒr sorgt, dass die Welt fĂŒr McDonalds Hamburger Niederlassungen und Silicon-Valley-Technologien sicher ist, heißt US-Army, US-Navy, Air Force und Marine Corps.“

Aber laut General a.D. Scowcroft mussten die US-StreitkrÀfte Anfang der 1990er-Jahre in den meisten FÀllen gar nicht erst militÀrisch intervenieren, um die neoliberale Globalisierung abzusichern:

„Wo auch immer US-Amerikaner mit anderen LĂ€ndern ĂŒber Investitionsschutz, Marktzugang oder sonst was verhandeln, immer fĂ€llt der Schatten der amerikanischen MilitĂ€rmacht auf den Verhandlungstisch.“

Im August 1998 veröffentlichte der private Spionage- und Analysedienst Stratfor einen lĂ€ngeren Bericht ĂŒber den umwerfenden Erfolg von Bushs „Neuer Weltordnung“. Stratfor war selbst ĂŒberrascht, dass sich trotz des Unilateralismus der USA die NWO rasch zu einem globalen Renner entwickelt hatte, (Zitat) „zu einer Vision, die von einem Großteil der Weltelite geteilt wurde“. Die NWO habe zweifelsfrei eine neue QualitĂ€t in den Beziehungen zwischen kapitalistischen Staaten geschaffen.

„Alle Nationen waren jetzt vernĂŒnftig“ – und den USA gefĂŒgig

Der Erfolg dieser „Ideologie der Neuen Weltordnung“ liege darin, so Stratfor, dass grundlegende politische Meinungsverschiedenheiten zwischen den Nationen, d. h. zwischen den Eliten der Nationen verschwunden waren. Statt ideologischer Streitigkeiten, waren alle Eliten der großen Nationen sich nun bezĂŒglich der fundamentalen Prinzipien, also Marktwirtschaft und bĂŒrgerliche Demokratie, Förderung der globalisierten Finanzwirtschaft und MĂ€rkte einig.

Demnach stimmten alle „vernĂŒnftigen Menschen“, egal in welchem Land, darin ĂŒberein, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand, von dem vor allem die Eliten profitierten, alle anderen Interessen ĂŒbertrafen. Daher war es wichtig, diese neue internationale StabilitĂ€t nicht zu stören.

Die einzigen internationalen Probleme, welche die Vereinigten Staaten und ihre VerbĂŒndeten konfrontierten, so Stratfor, waren „Schurkenstaaten“ wie Irak und Nordkorea oder die Bedrohung der inneren InstabilitĂ€t von Staaten wie z. B. in Jugoslawien und Somalia, oder auch AusbrĂŒche des internationalen Terrorismus.

Aber all das war nur noch „ein Randproblem“. Denn „alle Nationen waren jetzt vernĂŒnftig. Sie hatten alle die Notwendigkeit eingesehen, dafĂŒr zu sorgen, dass die Schurkenstaaten davon abgehalten werden, durch BĂŒrgerkriege oder durch Ausbreitung von Terrorismus die FinanzmĂ€rkte zu beunruhigen“.

„Da alle Nationen“, bzw. ihre Eliten, „im Rahmen der NWO an der Erhaltung gut funktionierender FinanzmĂ€rkte ein gleich-großes Interesse hatten, waren sie auch bereit, bei der Lösung der marginalen Probleme (siehe Jugoslawien, Irak und Somalia) zusammenzuarbeiten“.

Absolute PrioritĂ€t galt laut Stratfor der Aufgabe, das internationale Wirtschaftssystem zu einem eingeebneten Spielfeld zu machen, auf dem globale operierende Unternehmen ohne EinschrĂ€nkungen durch Zölle, nationale Regularien, DeviseneinschrĂ€nkungen oder Investitionshindernissen nach eigenem GutdĂŒnken schalten und walten konnten.

Daher sei diese Aufgabe zur Mehrung des westlichen Wohlstandes – so Stratfor – in die HĂ€nde einer Gruppe von multilateralen Organisationen delegiert worden, wie z. B. der Internationale WĂ€hrungsfonds IWF, das GATT (seither von der Welthandelsorganisation WHO ersetzt), die Weltbank, die OECD und nicht zuletzt die NATO. Diese Organisationen „dienen alle dem gleichen Zweck und sie haben einen sehr guten Job gemacht“, lobte Stratfor.

Selbstredend wĂŒrden „die Vereinigten Staaten, als weltweit fĂŒhrende Nation, auch eine besondere und entscheidende Rolle bei der Festlegung der Missionen der UNO und der anderen multilateralen Organisationen spielen, betonte Stratfor, und fuhr fort:

„Da jedoch alle Nationen jetzt die gleichen grundlegenden Interessen hĂ€tten, wĂŒrde daraus folgen, dass keine vernĂŒnftige Nation sich dem US-FĂŒhrungsanspruch und dessen Entscheidungen widersetzt.“

Die europÀische Dimension der NWO

Wie sehr diese US-Ideologie von der NWO auch in Europa, insbesondere in der EU auf fruchtbaren Boden gefallen ist, lĂ€sst sich exemplarisch an der Person Robert Coopers festmachen. Cooper begann seine diesbezĂŒgliche Karriere als Chefberater des britischen Premiers Tony Blair. Von dort ging er zur EU und wurde „Generaldirektor fĂŒr Äußere und Politisch-MilitĂ€rische Angelegenheiten“ im Generalsekretariat des EU-Rats und hatte stĂ€ndigen Umgang mit Ministern und Staatschefs. In dieser Rolle hat Cooper laut Wikipedia auch die Philosophie der „Entwicklung der EuropĂ€ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik maßgeblich geprĂ€gt“. DafĂŒr wurde er spĂ€ter von der Queen zum Ritter geschlagen und so gut wie von allen Regierungen der EU-MitgliedslĂ€nder mit Orden und Ehrungen ĂŒberhĂ€uft.

WofĂŒr genau? FĂŒr Forderungen wie diese, die dann in der EU auch umgesetzt wurden:

„Wir brauchen eine neue Art von Imperialismus, einen Imperialismus, der mit den Menschenrechten und den kosmopolitischen Werten kompatibel ist: ein Imperialismus, der sich zum Ziel setzt, Ordnung und Organisation zu bringen.“

Im Anschluss an den Angriffskrieg gegen Jugoslawien unterscheidet Cooper zwischen zwei Arten des „neuen Imperialismus“: Da wĂ€re zunĂ€chst der „freiwillige Imperialismus“ der „demokratischen“ (!) Institutionen der westlichen Welt, wie der „Internationale WĂ€hrungsfonds“ (IWF) oder die „Weltbank“.

Laut Cooper bringen diese Institutionen „all jenen Staaten Hilfe, die freiwillig ihren Weg zurĂŒck in die globale Wirtschaft der internationalen Gemeinschaft finden wollen“. D. h. also all jene Staaten, die bereit sind, sich zu beugen und sich ihre wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Verfasstheit von den „undemokratischen Institutionen“ IWF und Weltbank vorschreiben zu lassen, die brauchen keine Angst vor „humanitĂ€ren“ Bombardements der NWO zu haben.

Allen anderen Staaten aber, die sich nicht freiwillig der NWO unterwerfen, droht Cooper mit „gut nachbarschaftlichem Imperialismus“, d. h., dass „verantwortliche“ Staaten – wie die USA oder Frankreich, Großbritannien oder Deutschland – zuerst wirtschaftliche und politische Zwangsmaßnahmen verhĂ€ngen und wenn die nichts nĂŒtzen, militĂ€risch intervenieren, um InstabilitĂ€ten im globalen Dorf zu verhindern.

Als leuchtendes Beispiel fĂŒr den „gut nachbarschaftlichen Imperialismus“ verweist Cooper auf die erfolgreiche „humanitĂ€re Intervention“ der NATO im Kosovo. Das dort errichtete NATO-Protektorat zeige wie kein anderes Beispiel, wie gut „der neue Kolonialismus (!) Ordnung und Organisation“ bringen kann.

In seinem Buch von 2002 „The Post-Modern State“ entwickelt Cooper die EU-Doktrin des „neuen, liberalen Imperialismus“ weiter. Dabei unterstreicht er im Umgang mit sogenannten Problemstaaten „die Notwendigkeit von doppelten Standards“. Eine weitere Steigerung kommt in seinem nĂ€chsten Buch, „The Breaking of Nations“ (auf Deutsch: „Wie man Nationen gefĂŒgig macht“). 

Dort heißt es: „Untereinander sollten die EuropĂ€er auf der Grundlage des Rechts und gemeinsamer Sicherheit operieren. Aber außerhalb Europas sollten sie die raueren Methoden frĂŒherer Zeiten anwenden – Gewalt, PrĂ€ventivschlĂ€ge, Hinterlist und was sonst noch alles nötig ist. Denn wenn wir im Dschungel sind, dann mĂŒssen wir auch die Gesetze des Dschungels anwenden“. Im Original: „When in the jungle, one must use the laws of the jungle.“

Störenfried Russland

Laut einer weiteren Stratfor-Analyse funktionierte diese Version der Neuen Weltordnung fĂŒr eine Weile sehr gut fĂŒr die USA. Auch die internationalen Eliten konnten gut davon profitieren. Auch habe es „unter den Eliten der beteiligten Nationen keine namhaften Konflikte gegeben“. Daraus wurde dann die bekannte Phrase gestrickt, dass Demokratien keine Kriege gegen einander fĂŒhren.

WĂ€hrend in Russland noch das Jelzin-Regime herrschte, sah man im Westen gute Chancen auch Russland in diese US-gefĂŒhrte neue Weltordnung hineinzuziehen.

Dann aber kam 1998/99 der russische Finanzkollaps, bei dem Hilfe vom Westen ausblieb und IWF und Weltbank tatenlos dem Absturz Russlands zusahen. Diese UntĂ€tigkeit des Westens, verbunden mit kaum verdeckter Freude der auf reiche Beute lauernden westlichen Geier gab der zukĂŒnftigen Entwicklung Russlands einen entscheidenden Stoß in eine andere Richtung und förderte neue auftauchende politische KrĂ€fte, die Russlands Zukunft nicht im Westen sahen.

In dem Chaos, das von westlichen Beratern der russischen Regierung im Verein mit lokalen Oligarchen angerichtet worden war, entstand der Keim, aus dem in den nachfolgenden 25 Jahren der mÀchtigste Widersacher der NWO geworden ist.

Seither hat sich das wirtschaftlich, moralisch und militĂ€risch wiedererstarkte Russland, das heute wie selten in seiner Geschichte geeint hinter PrĂ€sident Putin steht, als unĂŒberwindbarer Widersacher gegen die US-gefĂŒhrte, „regelbasierte Ordnung“ – wie heute die NWO heißt – erwiesen hat. Zugleich ist Russland gemeinsam mit seinem strategischen Partner China zum Leuchtturm der Hoffnung vieler LĂ€nder des Globalen SĂŒdens geworden, die sich aus der rĂ€uberischen Umklammerung der westlichen Neo-Kolonialisten befreien wollen.

Kein Plan B: Auf der Schnellstraße in den Krieg

Und jetzt kommen wir zurĂŒck auf die eingangs geschilderte Lage in der Ukraine. Inzwischen verstehen Sie sicherlich auch besser, wieso die politischen, medialen, wissenschaftlichen und militĂ€rischen Eliten in Europa kein Problem damit hatten und haben, die vitalen Interessen ihrer eigenen Völker zu missachten, solange es ihnen selbst gut geht und sie die RĂŒckendeckung der befreundeten Eliten in Europa und jenseits des Atlantiks haben.

Das Wichtigste fĂŒr diese Leute sind die FinanzmĂ€rkte, von denen sie alle krĂ€ftig profitieren. Denn trotz der katastrophalen Wirtschaftslage in allen LĂ€ndern des kollektiven Westens erklimmen die Börsen dort dank geldpolitischer Manipulationen stĂ€ndig neue HöchststĂ€nde, was die Eliten weiter bereichert, wĂ€hrend aufgrund der gleichzeitigen Geldentwertung die arbeitende Bevölkerung immer Ă€rmer wird.

Nach wie vor gelingt es den Eliten dank des Corps williger Presstituierter, dem Gros der Bevölkerung vorzugaukeln, dass sie alles im Griff haben, egal ob in der Ukraine, bei der InflationsbekĂ€mpfung, beim Wirtschaftswachstum etc. Aber der Moment, an dem die RealitĂ€t den Schleier der LĂŒgen, der Manipulationen und des Schönredens zerreißt, kommt unaufhaltsam nĂ€her.

Je lĂ€nger diese tragische Entwicklung anhĂ€lt, desto weniger Optionen zur Rettung oder Milderung der Lage bleiben ĂŒbrig. Der Westen ist an seine Belastungsgrenze gekommen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten zeigen sich jetzt tiefe Bruchlinien zwischen den Eliten auf nationaler wie auf internationaler Ebene innerhalb des Westens. Realisten und Pragmatiker wollen mit den Russen verhandeln, wĂ€hrend Extremisten vom Typ der eingangs erwĂ€hnten Kriegstreiber mit einem direkten Waffengang zwischen Russland und der NATO liebĂ€ugeln.

Die aktuelle Situation in der Ukraine, die dem Westen als Rammbock dient und dabei gleichzeitig selbst zerstört wird, lÀsst sich wie folgt skizzieren.

Erstens: Russland hatte auf dem Schlachtfeld von Anfang an eindeutig die Oberhand, militĂ€rtechnisch ebenso wie in Bezug auf Strategie und Taktik, oder in puncto Reserven, aber auch bezĂŒglich Ausbildungsstands und Moral der Soldaten, UnterstĂŒtzung und Einigkeit der russischen Bevölkerung usw. Die Ukraine hat lĂ€ngst verloren, selbst wenn sie noch einige Zeit in selbstzerstörerischem Wahn weiterkĂ€mpfen kann. Fest steht aber, dass der Ukraine die Zeit davonlĂ€uft.

Zweitens ist die FĂŒhrung der Ukraine ungeachtet ihrer SchwĂ€che nicht bereit, auf Verhandlungen zur Beendigung des Krieges zu fĂŒr Russland akzeptablen Bedingungen einzugehen. Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat wiederholt bekrĂ€ftigte, dass Moskau grundsĂ€tzlich offen fĂŒr GesprĂ€che bleibt, allerdings nicht auf der Grundlage von „Wunschdenken“, sondern ausgehend von den RealitĂ€ten an der Front.

Die mangelnde FlexibilitĂ€t des Kiewer Regimes ist nicht verwunderlich. FĂŒr PrĂ€sident Wladimir Selenskij persönlich und zumindest fĂŒr sein Kernteam gibt es wahrscheinlich weder politisch noch physisch eine Möglichkeit, die Katastrophe zu ĂŒberleben, die sie ihrem Land zugefĂŒgt haben. Sie selbst waren SpielbĂ€lle der neokonservativen Strategie Washingtons, mit dem Ziel, Russland eine strategische Niederlage zuzufĂŒgen. Sie alle haben versagt und werden auf der Strecke bleiben.

Und drittens besteht zumindest in NATO-Europa die Möglichkeit, dass auch dort die Eliten auf der Strecke bleiben, weil sie zur UnterstĂŒtzung der Strategie Washingtons die vitalen Interessen ihrer eigenen Völker an Washington verkauft und sie ins wirtschaftliche Elend gefĂŒhrt haben.

Ein Zusammenbruch der ukrainischen Front wird es den West-Eliten unmöglich machen, die bisherigen LĂŒgen aufrecht zu halten. Selbst die gutglĂ€ubigsten Schafe im Westen werden sich von den herrschenden Eliten in Politik und Medien abwenden. Letztere fĂŒrchten sich zu Recht vor dem Tag, an dem die Zeitenwende der Abrechnung beginnt.

Die Westeliten haben in ihrer Abgehobenheit von jeglicher RealitĂ€t nie daran gedacht, dass ihre ursprĂŒnglichen, ihrem Wunschdenken entsprungenen PlĂ€ne zur Destabilisierung der russischen Gesellschaft und zur strategischen SchwĂ€chung des russischen MilitĂ€rs scheitern könnten. Daher haben sie keinen Plan B. Sie haben keinen Ausweg, weshalb sie mehr und mehr von Panik ergriffen werden.

Panik, in der Tat, denn nur mit Panik sind die offensichtlich verzweifelten Forderungen z. B. nach dem Einsatz der Nuklearwaffen fĂ€higen deutschen Taurus-Marschflugkörper zu erklĂ€ren. In dieselbe Kategorie fortgeschrittenen Wahnsinns fĂ€llt auch der Plan des französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden, womit wir dem großen Krieg einen gewaltigen Schritt nĂ€herkĂ€men. Auf ihrer Schnellstraße in den Krieg haben die siegessicheren westlichen Eliten keinen Platz fĂŒr eine Ausfahrt gelassen.

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