…nachdem Xiao mich bat weiterzuradeln,
wegen des starken Drucks ihrer Familie
Als ich meinen Gastgebern (den Lehrern des Kunst-Internats) mitteile dass ich am nächsten Tag weiterradle, herrscht große Enttäuschung und sie meinen sie hätten gehofft ich möge noch lange bleiben, da ich die Freude hierher zurückgebracht hätte und man mich mit einem großes Barbecue am nächsten Abend überraschen wollte. Also bleibe ich natürlich noch einen weiteren Tag.
Bei der tollen Barbecue-Nacht an der Straße vor der Kunstschule darf ich sogar Bier vom benachbarten Laden spendieren (eigentlich unmöglich als Gast) und gegen Mitternacht schüttet mir eine Schülerin ihr Herz wegen ihrer mentalen Not aus (eigentlich unmöglich als Fremder).
Gerade als ich am nächsten Morgen losradeln möchte, meldet sich Xiao panisch via Whatsapp und meint sie wäre auf dem Weg zu mir und hätte sich verlaufen – also spurte ich aus dem Gebäude und entscheide mich intuitiv für links um den Häuserblock.
Nach 150 Meter, als ich in die große Straße einbiege, renne ich fast an ihr vorbei, da ich sie erst im letzten Moment erkenne, so ängstlich entstellt ist sie.
Wir gehen in einen Innenhof und setzen uns auf ein altes Sofa wo sie mir händchenhaltend total aufgelöst ihre Not durch den Druck ihrer Familie wegen mir berichtet. Als wir uns gegenseitig unsere Gefühle füreinander gestehen, beruhigt sie sich allmählich und wir gehen zur Schule wo ihr Vater ausgerechnet in dem Moment auftaucht, als ich ihr ein Küssen auf die Wange gebe. Er ist natürlich total außer sich und Xiao übersetzt mir sein Schreien ich solle Baotou sofort verlassen. Danach nimmt er Xiao mit sich nach Hause.
So starte ich am frühen nächsten Morgen aus der Millionenstadt weiter Richtung Westen und Tibet, zwischen Gebirge (über das die Gobi-Hitze herunterströmt) und Gelbem Fluss (den man immer noch nicht sieht).
Der heiße Gegenwind und der ständig hupende, teilweise dichte Schwerverkehr schafft mich.
Bei jeder Rast gibt es kleine bis große Volksaaufmärsche wegen dem und Melonen oder warmes Essen für den Außerchinesischen mit seinem UFO und Whatsapp-chat mit Xiao.
Leider schwankt ihre Stimmung sehr zwischen einem sehnlichen, unbedingten Wiedersehen und garantierten Nimmerwiedersehen wollen?!
Nach 3 Tagen und gut 300 km überquere ich den Gelben Fluss nachdem ich mir ein dünnes weißes Hemd gekauft habe um nicht total zu verbrennen.
Ein paar km nachdem ich die sehnliche Intuition für einen Pausentag am Gelben Fluss habe, biege ich auf einen Sandweg Richtung Fluss ab, passiere dann einen Lehmhof und lande auf einem Trampelpfad.
An einem Maisfeld mit Blick über den Fluss und Sichtschutz zum Hof schlage ich mein Zelt auf und esse bei Sonnenuntergangspanirama übern Fluss zu Abend.
Plötzlich kommt ein kleiner roter Mann vom Hof her auf mich zu (er muss meiner Radspur im Sand gefolgt sein) und als ich ihn aufstehend anlächle und mit einer fragenden Schlafen-Geste auf mein Zelt weiße, lächelt er Daumen hoch sehr erfreut zurück und bittet mich mit Handzeichen nach einer herzlichen Umarmung zu seinem Hof, wo wir mit seiner Mutter und einem Bekannten bis in die Nacht herzlich und via Zeichensprache kommunizieren.
Am nächsten Morgen wache ich durch die wahrscheinlich nicht zufällig neben meinem Zelt im Mais arbeitenden Mutter auf der ich dann beim Schafe futtern helfe und die dann extra viel Schafsfleisch für mich kocht um mich lange hier zu halten – und nach dem Essen „muss“ ich bei meinem kleinen roten Freund auf dem Bett ruhen.
Das einzige, dass die WUNDERnvolle Zeit bei meiner Lehmhoffamilie stört, ist Xiaos stark wechselnde, zeitweise sogar aggressive Stimmung.
Am dritten Abend verabschiede ich mich entgültig von den Zweien – denn wenn mein roter Bruder auch Tränen in den Augen hat, ich muss morgen früh weiter, um China via Tibet innerhalb meiner Visumfrist verlassen zu können.
In der sternenklaren Nacht sitze ich noch lange mit Flussblick in meinem bequemen Rad-Sessel vor dem Maisfeld und Zelt und mache mir Gedanken ob es (noch) sinnvoll ist meinem Herz-Gefühl für Xiao weiter nachzugeben, wenn uns der intensive Whatsapp-Kontakt in einem unreellen Zukunftstraum/Frust hält, anstatt im JETZT zu SEIN.
Denn eigentlich brauche ich meine ganze, schwindende Kraft für die wüste(n)Hitze und die anstehenden Hochgebirge auf der (Tor)Tour nach und durch Tibet…
Wie extrem Xiao durch ihre Verwandten und Freundinnen (denen sie sich anvertraut hat) unter Druck sowie Schuld- und Angstgefühle gesetzt wird, kann ich mir nicht vorstellen, da sie mir das erst viel später (während unseres nicht enden wollenden Albtraums) anvertrauen wird!
„Bitte liebes LEBEN, gib mir irgendwie deutliche Zeichen – ich möchte gerne an Xiao festhalten wenn du es für uns möchtest – aber ich bin auch bereit sie loszulassen wenn es keine gemeinsame Zukunft geben kann/soll/darf?!“
Als ich „zu-fällig“ in den Sternenhimmel blicke, sehe ich seit langer Zeit mal wieder eine Sternschnuppe!
„Liebes LEBEN, wenn ich zufällig noch zwei weitere Sternschnuppen sehen darf, ohne danach extra Ausschau zu halten, dann nehme ich es als Zeichen, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben“… und es kommen noch Zwei!!! Beide Male als ich gerade kurz hochschaue – und alle drei in unterschiedlichen Richtungen!
Danach sehe ich keine mehr, obwohl ich den ganzen Himmel noch länger danach absuche!!!



































Nach der Fahrt über Gebirge, Grenze und Nacht, hält er wegen mir zur (Rest-)Übernachtung extra an einem Motel – aber nachdem ich ihm erkläre, dass ich schon in Griechenland mit einem tschechischen Trucker problemlos auf der Stockbett-Pritsche verbracht habe, darf ich gerne auch bei ihm im Truck übernachten.
Am nächsten Abend an der türkischen Grenze angekommen sind wir ein so herzliches Team, dass er meint ich dürfe gerne auch länger mitfahren als bis zum Laden in der Türkei.
Nach dem Laden der 23 Tonnen Zitronen geht es 2 Tage und Nächte westwärts durch die Türkei und wie schon 2 Monate zuvor mit der Fähre übers Marmara-Meer. Nach einem kurzen Stück durch Griechenland sende ich von Bulgarien eine SMS an Plamen, der Carmen und mich 3 Monate zuvor 2 Tage herzlichst bis Sofia mitgenommen sowie geguidet und verpflegt hatte. Exakt als er sich telefonisch meldet, begegnen wir uns für kurze Sekunden lichthupend auf der Autobahn hinunter Richtung Sofia – und wieder schließt sich ein Kreis dieser WUNDERnvollen Tramptour.
Hier stehe ich nun und verstehe nicht, warum mich das Leben ihn erst dann erinnern lies, als es zu spät war?!?
Spät Abends in Wien treffen wir uns in einem Pub mit seiner Bekannten und während ich mich schon auf die Nacht in seinem Kombi einstelle, verabschieden wir uns nach einem Spaziergang um Mitternacht von Fred´s Bekannten.
Plötzlich bleiben 4 junge Männer an meinem Tisch stehen (auf dem Bild ist auch der Cafebesitzer dabei) und interessieren sich für mich und meine Reise. Nach einer Weile meinen sie etwas traurig, sie müssten leider weiter und bitten mich, doch noch ein paar Stunden bis zum Abend hier zu bleiben, damit sie dann mehr über mich erfahren und mir ihre Stadt zeigen können.
Der Fahrer meint plötzlich mit leuchtenden Augen zu mir gewandt, ob ich mit ihm ins Krankenhaus zu seinem schwer krebskranken Vater folgen könne? Für mich wäre das kein Problem aber ob er sich wirklich sicher sei, einen wildfremden, dreckigen Mann von der Straße in diese sehr private Sache einzubeziehen zu wollen, meine ich etwas verwundert. Es wäre sein Wunsch weil er deutlich dafür fühle, meint er.










